Powerlifting
Da Powerlifting / Kraftdreikampf / KDK leider immer noch nicht die Popularität anderer Breitensportarten besitzt und so gut wie keine Infos an die Öffentlichkeit gelangen, möchte ich hiermit kurz mit eigenen Worten diese Sportart erläutern. Vereinzelt werden Wettkämpfe auf DSF und Euro-Sport ausgestrahlt.
Stärkster KDKler aller Zeiten!
Powerlifting oder auf deutsch Kraftdreikampf (KDK), stammt aus den USA. Bereits in den 70er Jahren wurde dort der IPF Verband gegründet, der noch bis heute besteht. In Deutschland wurden Wettkämpfe bereits in den 60er Jahren ausgetragen. Aus 11 Gewichtsklassen bei den Männern und 10 Gewichtsklassen bei den Frauen entsteht die Deutsche Nationalmannschaft mit den entsprechenden Kadern, die erfolgreich die Deutsche Nation vertreten. Trotz einiger deutscher Kraftsportgrößen die ihr Wissen an den Nachwuchs weitergeben und somit helfen deren Leistungen zu verbessern, holen sich aber die ersten Plätze regelmäßig die Athleten aus dem Ostblock (Russen, Ukrainer) und aus Übersee (USA).
Weltmeister aus der Ukraine
Ein KDKler "der in seine Gewichtsklasse passen muß", kommt an einer harten Diät nicht vorbei. Ein Top KDKler in einer niedrigen Gewichtsklasse hat so gut wie kein Körperfett. Dementsprechend wird dann auch die Ernährung angepasst, die besonders kurze Zeit vor einem Wettkampf einem Bodybuilder sehr ähnelt. Ein Sportler bis 110 manchmal bis 125 kg, kann durchaus einen durchtrainierten Körper haben. In den oberen Gewichtsklassen besonders in der ohne Limit, bei der Athleten teilweise über 150 und sogar in extremen Ausnahmefällen bis 200kg Körpergewicht haben, ist es unmöglich wenig Körperfett anzusetzen. Ganz nach dem Motto: "Masse bringt Kraft!", was ich in diesem Bereich für totalen Blödsinn halte. Ab einem bestimmten Grad an Körperfülle, ist das hohe Gewicht hinderlich.
Disziplinen
Der Sport dreht sich nur um drei Übungen, die immer genau in dieser Reihenfolge durchgeführt werden: Kniebeuge, Bankdrücken, Kreuzheben. Bei jeder Übung werden dem Sportler drei Versuche gewährt, wobei jeweils der Beste in die Wertung kommt. (Wie beim Gewichtheben) Daraus ergibt sich dann das Dreikampfergebnis/Total. Nach dem Wiegen muss der Athlet seine Anfangsversuche in jeder Disziplin angeben, dann geht`s los. Sollte ein Anfangsgewicht nicht bewältigt werden, egal in was für einer Disziplin, scheidet der Athlet aus. Die Hantellast darf nur gesteigert werden. Ein Beispiel: Jemand traut sich 300kg als Erstversuch in der Kniebeuge zu und scheitert daran. Es stehen ihm jetzt noch 2 Versuche in dieser Disziplin zu, aber was bringt ihm das, wenn nur noch gesteigert werden darf? Die große Kunst ist es also nicht zu hoch zu pokern, seine eigene Kraft genau auszuloten um das Optimale aus seinem Körper herauszuholen. Nun zu den einzelnen Übungen:
Bei der Kniebeuge befindet sich die Hantel in einem Gestell, wo sie vom Heber aufgenommen wird. Gewöhnlich liegt sie auf dem Schultergürtel oder höher in Richtung Nacken, je nach Körperbau. Die Hantel ist nicht gesichert, sondern liegt frei auf den Schultern des Athleten. Mit diesem Gewicht macht man ohne Hilfe ein paar Schritte zurück, bringt sich in Position und wartet auf das Zeichen des Haupt Kampfrichters ("Beuge" oder International "Squat"). Es richten immer 3 Kampfrichter auf einmal mit "gültig" oder "ungültig". Es gibt auch Versuche mit 2:1 gültig oder ungültig. Nun geht man mit dem Gewicht in die Hocke bis die Schenkel parallel zum Boden sind und steht wieder auf. Es sind keine Polster, Handtücher o. ä. erlaubt, die den Druck der Hantel auf die Schultern mildern könnten. Eine Kniebeuge über 400kg ist weltklasse.
Nach einer Pause die im Ermessen des Veranstalters liegt, meistens ca. 30 Minuten, folgt die zweite Disziplin - das Bankdrücken. Ist wohl jedem Fitnesssportler aus seinem Studio bekannt. Im Laufe der Zeit sind extreme Techniken entstanden um noch mehr Leistung rauszuholen. Ich glaube diese Übung muss ich nicht genauer erklären. Es gibt jedoch Unterschiede zum "Studiobankdrücken". Die Hantel wird aus dem Ständer herausgehoben und so lange gehalten bis man das Signal "Start" von Kampfrichter bekommt. Danach wird das Gewicht herab zur Brust geführt und dann in die Ausgangsposition zurückgedrückt. Der Knackpunkt dabei ist, dass die Hantel in der unteren Position auf der Brust liegend so lange gehalten werden/still liegen muss, dass eine sichtbare Pause erkennbar ist. Das durchdrücken oder sogar "dotzen" (vom Brustkorb abspringen lassen ist verboten). Da es eine rein subjektive Entscheidung ist, gibt es beim Bankdrücken leider viele Fehlversuche. Die 300kg sind das Traumziel eines Könners.
Nach ebenfalls ca. 30 Pause Minuten folgt die Abschlussdisziplin. Es handelt sich um das allseits meistens unbeliebte Kreuzheben. Meiner Meinung nach technisch am wenigsten anspruchsvoll und wahrscheinlich darum auch am wenigsten ungültige Versuche beim Wettkampf. Die Hantel liegt am Boden. Ausgangsposition wie bei den Gewichthebern. Einfach gesagt wird die Hantel angepackt (gewöhnlich im Kehrgriff damit sie nicht so leicht aus den Händen gleitet) und damit aufgestanden bis der Körper sich in der aufrechten Position befindet. Beine durchgedrückt, Schultern zurückgezogen, Rücken gerade halten. Das ist alles! Es gibt zwei unterschiedliche Heberstiele. Traditionell (die Hände greifen ausserhalb den Beinen) und Sumo (die Hände greifen zwischen den Beinen). Entscheidend ist auch die Griffkraft. Viele Athleten haben Probleme, dass Gewicht auch zu halten. Griffhilfen wie Haken oder Zughilfen sind natürlich nicht erlaubt. Kreuzheben mit ca. 370 kg ist spitze, über 400 kg ist absolut selten.
Natürlich kommt es darauf an, das größtmögliche Gewicht in jeder Disziplin und somit das höchste Total zu erreichen. Dem Athleten stehen in jeder Disziplin 3 Versuche zu, dabei wird jeweils nur 1! Wiederholung absolviert. Ich habe schon Wettkämpfe erlebt, die sich über 5 Stunden hingezogen haben. Wer eine anständige Leistung bei den Kniebeugen und im Bankdrücken zeigt, weiss wie schwer das Kreuzheben nach 2-3 Stunden Wettkampf und 2 Disziplinen ist...
Ich möchte noch ausdrücklich erwähnen, das dies wohl die einfachste Erklärung ist. Was man ganz genau zu beachten hat, erfährt man im Regelwerk.
Die Psyche
Genauso wie den Körper, muss man auch die Psyche "trainieren". Am Anfang einer Sportlerkarriere reicht das körperliche Training aus, um sich stetig zu verbessern. Ist die vermeintliche Höchstleistung/die genetische Grenze ausgelotet, geht es mit der Kopfarbeit los. Im Training und noch viel mehr beim Wettkampf muss man im Kopf "gefestigt" sein. Viele trauen sich nichts zu und scheitern psychisch. So können sie ihre volle Leistung sowohl im Training wie auch beim Wettkampf nicht umsetzen. Zu vergleichen mit der sogenannten Prüfungsangst bei Schule oder Beruf. So was darf nicht sein und dem kann man entgegenwirken. Viele Athleten nutzten mentale Techniken um sich auf den jeweiligen Trainingstag oder Wettkampf einzustimmen. Autosuggestion, Traum-Training, Hypnose, Trance Techniken sind nur einige davon. Man muss davon überzeugt sein, dass man das vorgenommene Gewicht sicher schafft. Eine dauerhafte "gesunde" Einstellung zu seinem Training ist die beste Voraussetzung. Eigentlich ist dies der für mich persönlich interessanteste Bestandteil am Sportlerdasein. Weitere Erläuterungen würden aber die Kapazitäten hier sprengen.
Equipment
Für jede Übung gibt es besonderes Equipment, von zahlreichen Herstellern. Zum einen gibt es mehr Sicherheit und zum anderen steigert man dadurch die Leistung.
Für die Kniebeugen: Beugeanzug, Gürtel, Bandagen und Gewichtheberschuhe.
Für das Bankdrücken: Drückerhemd, Gürtel und Bandagen.
Für das Kreuzheben: Heberanzug, Gürtel und Schuhe mit dünner Sohle. Ein weiteres Hilfsmittel ist Magnesium, damit einem die Hantel nicht so leicht entgleitet.
Verbände
In Deutschland gibt es die BVDK (IPF) und WPCongress, WPCommittee.
Beim WPCongress Qualifikation für in den Staaten organisierten Profiwettkämpf über WPO mit Preisgeld.
Landes- o. Bezirksmeisterschaften gibt es nur innerhalb des BVDK, ideal für Neueinsteiger.
Um einen Wettkampf bestreiten zu können, muss man in einem Verein Mitglied sein.
The German Biest
Ziel/Sinn
In der Computerzeit, haben die meisten "null Bock" auf Bewegung. Spätestens dann, wenn man sich unwohl fühlt oder sich ein wenig unter die Gesellschaft mischen will, ist der Besuch im Fitnessstudio angesagt! Schnell findet sich ein geeigneter Trainingspartner. Ist man erst mal angemeldet ist es schwer zu glauben, dass man mit nur 3 Übungen, einer Handvoll Nebenübungen und Trainingsfleiß so viel an seinem Körper verändern kann. Wer regelmäßig im Studio schwitzt wird sehr schnell Erfolge verbuchen, vor allem die Jüngeren. Jeder stemmt Hanteln - von Jung bis Alt. Letztere freuen sich, dass sie durch das Training nun keine Rückenschmerzen, Knieprobleme usw.. haben oder wenigstens diese Schmerzen minimieren konnten, oder einfach im Alltag mobiler und aktiver werden. Wieder andere wollen ein paar Pfunde verlieren und das erfolgreich. Muskeln aufbauen, Kondition verbessern, Verletzungen vorbeugen, das allgemeine Wohlbefinden steigern, Fehlhaltungen korrigieren usw. sind weitere Gründe. Der gesellschaftliche Aspekt ist sicher auch ein Ansporn. Hantelsport wird in Expertenkreisen als die effektivste Methode sowohl im Muskelaufbau, sowie im Fettabbau gehandelt. Darum trainieren wohl auch Kugelstosser, Leichtathleten, Turner, Skifahrer, Boxer usw. ebenfalls Krafttraining, um sich in ihrer Sportart zu verbessern. 2-3 mal wöchentlich intensives Training für ca. 1 Stunde genügt schon, um seine Ziele zu verwirklichen. (Teilweise auch im Leistungsport). Derjenige der regelmäßig sein Trainingsprogramm runterspult wird Erfolg haben. So war es schon immer und so wird es immer sein. Es gibt leider keine Geheimtrainingspläne, die so viele verzweifelt suchen und dabei ihr eigenes Training schleifen lassen. Nur nicht aufgeben - lautet die Divise. Wer sich einmal seine persönlichen Ziele ins Auge gefasst hat, kommt so schnell von der Hantel nicht mehr weg.
Formt ihre Figur mit Bodybuilding
Vielleicht ist es zu einfach und darum so schlecht zu vermarkten? Viele wissen das es effektiv ist. Trotzdem suchen sie krampfhaft nach einer anderen Lösung, die nicht so anstrengend ist. Gibt es nichts einfacheres, das einem dieses schweißtreibende Training erspart, denken wohl die meisten? Immer wieder kommt ein neuer noch nie dagewesener Trainingsplan, oder ein neues Wunder-Trainingsgerät auf den Markt. "Nur 10 Minuten täglich zum Waschbrettbauch", wird den Leuten vorgegaukelt, dass man damit ohne große Anstrengung an seinem Körper etwas verändern kann. Das geht halt nicht. Ähnlich auch bei den Diäten. "30 Pfund in 6 Wochen ohne hungern abnehmen." Kennt ihr nicht auch Personen, die jahrelang eine Diät nach der anderen durchziehen, weil sie denken sie finden doch noch irgendetwas bei dem man essen kann was man will und trotzdem abnimmt? Die richtige Kombination von Training und Ernährung führt zur "Traumfigur". Du bist, was du isst!
Vom Bodybuilder zum Schauspieler
Wettkampf
"Kraftdreikampf, Kraftsport oder Bodybuilding" - Dabei denkt meistens jeder sofort an den Leistungsport/Wettkampfsport und stellt sich sehr muskelbepackte Athleten vor. Tatsächlich ist es aber nur ein ganz geringer Teil der Trainierenden, die sich in Wettkämpfen messen. Die Masse der Sportler, will nur fit sein oder einen durchtrainierten Körper haben. Der Weg zum KDK erfolgt meist indirekt. Ich behaupte einfach, dass es keinen Sportler gibt, der von Anfang an gezielt auf KDK trainiert, weil es einfach noch zu unbekannt ist. Breitensportler melden sich oft im Sportstudio an, weil sie dort an keine Trainingszeiten gebunden sind, oder sich über den Winter fit halten wollen. Viele finden nur Gefallen am Mannschaftsport. Ich bin selbst bemüht, Menschen für den KDK zu motivieren. Leider betreiben nur wenige Athleten diesen Sport wettkampfmäßig. Ob es an der Förderung liegt ist fraglich. Es liegt nicht an den fehlenden Talenten in Deutschland, vielmehr an dem mangelnden allgemeinen sportlichen Interesse. Dieser Sport ist nicht olympisch und darum gibt es vom Verband keine Fördergelder und Preisgelder. Aber jeder fängt ganz unten an und darum ist der wahre Grund wahrscheinlich die ungeheuren Disziplin die aufgebracht werden muss, um auf internationales Niveau zu gelangen. Kraftdreikampf ist ein Sport, der mit sehr großem Einsatz das ganze Jahr trainiert werden muss. Auf das eigene Gewicht, die Ernährung, die Trainingsplanung und auf die Erholung muss geachtet werden. Viele Sportler verwechseln härteres Training mit mehr Training. Aus vermeintlich einfachen Bewegungen wird plötzlich ein riesiges Unterfangen. Ein komplexes System von unendlichen Nebenübungen, Trainingsplänen, Bewegungsabläufen bis hin zur "Wettkampfpsyche", summiert sich zur "Mission Kraftdreikampf." Eine kleine Grippe wirft einen schon merklich zurück, so muss man extrem darauf achten, dass man genügend Vitamine zu sich nimmt, um nicht so infektanfällig zu sein. Es nicht einfach Sport überhaupt schmackhaft zu machen. Umso größer ist beim KDK dann aber die Befriedigung, wenn man das alles allein durchgestanden hat und sogar einen Wettkampf gewinnt oder seine Bestleistung verbessert hat. Kann man sich über einen Erfolg für den man nicht so viel getan hat, genauso freuen? Ich denke nicht.
Dietmar Zint




















